LEBENDIGER RAUM HINTER GITTERN:
GAIAS FEINSTOFFLICHE KÖRPER
von Marco Bischof
Copyright Marco Bischof (Berlin) Ó 1992
Erschienen in den Zeitschriften
Wetter-Boden-Mensch,
Nr.2 (1992), S.38-53, und
Zeitschrift für Radiästhesie, 45.Jg., Nr.III, Juli-September 1993, S.1-15.
EINLEITUNG
Der Radiästhesie ist es zwar zu verdanken, dass die Vorstellung unsichtbarer energetischer
Raumstrukturen und Standorteinflüsse bis in unsere Zeit erhalten blieb, doch aus verschiedenen Gründen
erscheint dem Autor die radiästhetische Konzeption der Gitternetze unbefriedigend. Er versucht, zu einer umfassenderen,
ganzheitlichen Auffassung über die unsichtbaren Dimensionen von Raum und Landschaft zu gelangen, die sowohl
eigene Erfahrungen in veränderten Bewusstseinszuständen, Kenntnisse über die traditionelle Geomantie
und Kosmologie der alten Kulturen und Naturvölker wie auch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft einbezieht.
DIE UNSICHTBARE UMWELT: LEBEN IM STRAHLUNGSFELD
Das konventionelle Bild unserer Umwelt geht davon aus, dass wir in einem homogenen Raum leben, wo sich in den Zwischenräumen
zwischen Gegenständen und Lebewesen nur Luft befindet. Was unseren Aufenthalt in diesem Raum betrifft, so
glauben wir, dass im Prinzip alle Orte gleichwertig sind. Gebaut wird heute, etwas überspitzt gesagt, dort,
wo eben noch freies Land zu zahlbaren Preisen zu haben ist.
Doch bereits bei Berücksichtigung von heute wissenschaftlich gesicherten Faktoren müssen wir dieses konventionelle
Bild unseres Planeten beträchtlich revidieren. Neben eher grossräumig wirkenden Wetter- und Klimafaktoren
wie Luftdruckschwankungen und Luftelektrizität hat jede kleinräumige Umgebung ihr Mikroklima mit eigenen
Luftströmungen, besonnten und schattigen Plätzen usw., das auch durch kleinste Eingriffe (Gebäude,
Mauern, Strassen) beträchtlich verändert werden kann. Wie sehr Klangumwelt und Geruchsumwelt auf unser
Wohlbefinden Einfluss nehmen, ist nur wenigen bewusst. Sichtbare und unsichtbare Komponenten des Sonnenlichtes
gestalten in über Jahr und Tag wechselnder Intensität und Frequenzzusammensetzung unsere Umwelt und steuern,
wie man heute weiss, z.B. den Hormonhaushalt von Tier und Mensch. Vielerlei natürliche und zunehmend auch
künstliche elektromagnetische Felder erfüllen in unterschiedlicher Dichte unseren Lebensraum, deren biologische
Wirksamkeit heute sehr wahrscheinlich geworden ist. Jeder Platz auf der Erdoberfläche besitzt ein komplexes
Strahlungsfeld besonderer Komposition, das nicht nur von Tages- und Jahreszeit und geographischer Breite, sondern
auch von Form und geologischer Beschaffenheit des Untergrundes mitbestimmt wird. Über unterschiedlichen geologischen
Untergründen, Wasserführungen, Brüchen und Verwerfungen kann der Physiker eine Reihe gegenüber
der Umgebung veränderter physikalischer Faktoren messen, wie z.B. elektrische Boden- und Luftleitfähigkeit,
Luftionisierung, Erdmagnetfeld, Mikrowellenabstrahlung und Radioaktivität. Ein elektrisch leitender Boden
reflektiert im Gegensatz zu einem isolierenden auch die kosmische Strahlung. Die so entstandene Sekundärstrahlung
erzeugt mit der Primärstrahlung zusammen ein Interferenzfeld, das als Stressfaktor zum auf solchen Böden
(Lehm, Mergel, Kohlenflöze, Eisenerze) erhöhten Auftreten von Krebs beitragen kann. Lokale, durch die
geologische Zusammensetzung des Untergrundes entstehende Variationen des Schwerefeldes und des Erdmagnetfeldes
können ebenfalls biologische Wirkungen besitzen.
DIE ERDE ALS SELBSTREGULIERENDES SYSTEM
Das natürliche Strahlungsfeld auf der Erde hat bereits die Evolution des Lebens entscheidend geprägt.
Seine Eigenschaften, wie z.B. die Rhythmen, waren entscheidend für die Ausbildung der räumlichen (z.B.
Abmessungen von Zellen, Körpergrösse) und zeitlichen (Biorhythmen) Strukturen von Lebewesen. So sind
eine Vielzahl von Resonanzen zwischen kosmischen Schwingungen und biologischen Rhythmen entstanden, z.B. liegen
die Schumann- Resonanzen, die zwischen Ionosphäre und Erdoberfläche schwingen, die elektromagnetische
Schönwetter-Sferics-Strahlung und die mechanische Erdvibration im gleichen Frequenzbereich wie Alpha-Gehirnwellen
und Mikrovibration des menschlichen Körpers (7-10 Hz).
Diese Resonanz zwischen Organismen und bestimmten Strahlungsfrequenzen und Intensitäten, so nimmt man heute
an, stellt einen der wichtigsten biologischen Steuerungs und Regulationsmechanismen dar, wie das Beispiel des Sonnenlichtes
zeigt.
Die gesamte Erde, der Gesteinsmantel (Lithosphäre), die Hydrosphäre (Ozeane und Gewässer), die Biosphäre
(Gesamtheit des organischen Lebens) und die Athmosphäre (inkl. Ionosphäre, Magnetosphäre etc.) wird
seit dem russischen Forscher Wladimir Wernadsky zunehmend als ein sehr komplexes, selbstregulierendes offenes System
mit vielen einander rückkoppelnd beeinflussenden Untersystemen gesehen. Die Temperatur, die Zusammensetzung
der Gase in der Atmosphäre, der Zustand von Wasser und mineralischer Oberfläche werden von ihr durch
aktive Feedback-Mechanismen derart konstant gehalten, dass Leben auf ihr möglich bleibt. Dabei spielt die
Aktivität der lebenden Organismen selbst eine wichtige Rolle, man denke nur an die Regulation von Sauerstoff-
und Kohlendioxidgehalt durch die Atmung von Pflanze und Tier.
GAIA - DIE LEBENDIGE ERDE
Diese Selbstregulation - die Tatsache, dass das Leben selbst aktiv für die Bedingungen zu seiner Aufrechterhaltung
besorgt zu sein scheint - legt es für eine zunehmende Zahl von Wissenschaftlern nahe, von einer lebendigen
Erde zu sprechen. An prominenter Stelle tut dies der englische Biologe James Lovelock mit seiner "Gaia-Theorie",
der uns seit den frühen 70er Jahren auffordert, wir sollten die Erde nicht als toten, von einer Gashülle
umgebenen Gesteinsbrocken, sondern als einen lebenden Organismus betrachten . Lovelocks kosmische Betrachtungsweise
ist kein Zufall: er gehörte zu der Gruppe von Spitzenwissenschaftlern, die die Mond- und Marsexpeditionen
der NASA vorbereiteten. In den letzten Jahren zeigten eine Reihe von wissenschaftlichen Kongressen zu diesem Thema,
wie breit die wissenschaftliche Unterstützung für ein solches Bild der Erde schon geworden ist .
Wir stehen also heute mitten in einer radikalen Umwälzung in Bezug auf unser Bild von der Erde. Ein tiefgreifendes
Ereignis für unser kollektives Bewusstsein geschah 1961, als die ersten Astronauten unseren Planeten vor dem
Hintergrund des Weltraums betrachten konnten. Im Unbewussten der Menschheit konstellierte sich ein uraltes Bild
von neuem: Gaia, die Mutter allen Lebens. Für die Philosophen der Antike war die Erde eine Göttin. Die
Pythagoräer und Plato, wie auch Cicero Jahrhunderte später betonten, die Erde sei lebendig, besitze eine
Seele und Intelligenz. Die weibliche, lebendige Erde bildete den Mittelpunkt jener organischen Kosmologie, die
in Europa bis ins 17. Jahrhundert den Umgang mit der Natur bestimmte.
Die neuerliche Verwendung des Bildes einer weiblichen, lebendigen Erde hat eine wichtige ökologischen Funktion,
wie die amerikanische Wissenschaftshistorikerin Carolyn Merchant plausibel machte . Erst seine Ersetzung durch
das mechanistische Konzept der Natur als Mechanismus und der Erde als totem Objekt mit dem Einsetzen des wissenschaftlichen
Denkens und dem Aufstieg einer marktorientierten Kultur machte nämlich in der frühen Neuzeit den Weg
für eine rücksichtlose Ausbeutung der Ressourcen und Bodenschätze frei, während die Hemmungen
bei einer als Person und weiblich betrachteten Natur bis ins 17. Jahrhundert noch einen gewissen Schutz darstellten.
WELTSEELE UND ERDGEIST
Wie man heute weiss, zeichnen sich heilige Orte nordamerikanischer Indianer und australischer Aborigines, prähistorische
Steinkreise und andere megalithische Plätze oft dadurch aus, dass sie auf oder nahe bei Lagerstätten
von Uran oder Edelmetallen oder geologischen Bruch- und Verwerfungszonen liegen . Diese Art von Untergrund hat
auch auch ein verändertes Strahlungsfeld auf darüber liegenden Plätzen zur Folge. Im Inneren von
Steinkreisen, bei Menhiren usw. hat man deutlich gegenüber der Umgebung veränderte Radio- und Mikrowellenstrahlung,
Radioaktivität und Ultraschall gemessen . Auch im Bereich radiästhetisch ermittelter "Reaktionszonen",
insbesondere auf Kreuzungen mehrerer solcher Zonen, hat man immer wieder deutliche, lokal eng begrenzte Veränderungen
gegenüber der Umgebung festgestellt, so in Bezug auf elektrische Boden- und Luftleitfähigkeit, Luftionisierung,
Erdmagnetfeld, Mikrowellenabstrahlung, Radioaktivität und andere physikalische Grössen .
Sind es also einfach besondere Konstellationen messbarer elektromagnetischer und anderer physikalischer Faktoren,
die die besondere Athmosphäre und Wirkung eines "heiligen Ortes" ausmachen ?
Es gibt Orte, die eigenartige Wirkungen auf die seelisch-geistige Verfassung des Menschen, z.B. auf das Zeitgefühl,
ausüben. Berühmt sind die sogenannten "Mystery Spots" in den Vereinigten Staaten, wo unzweifelhafte
veränderte Schwerkraftverhältnisse (an einem solchen Ort kann man z.B. ohne Probleme in einem Winkel
von 45o zum Boden stehen) wahrscheinlich für diese Effekte verantwortlich sind. Wie Untersuchungen des Geophysikers
Prof.R.-Lauterbach gezeigt haben, kann neben Sonnenaktivität, Wetterphasen und erdmagnetischer Aktivität
offenbar auch der geologische Untergrund das menschliche Zeitempfinden verändern . Über tektonischen
Störungszonen, die sich auch durch erhöhte elektrische Leitfähigkeit auszeichnen, stellte sich wie
bei einer Hochdrucklage eine Zeitdehnung ein. Bedeutet das, dass psychischgeistige Athmosphäre und Wirkungen
eines Ortes auf solche physikalische Faktoren zurückgeführt werden können ?
Elektrische Ströme, elektromagnetische Felder, Radioaktivität usw. sind zwar bereits unsichtbare Umweltfaktoren,
aber sie gehören doch immer noch zum Bereich des Materiell-Physikalischen.
So wie es als Fortschritt zu betrachten ist, dass die Biophysik heute die Existenz eines elektromagnetischen Strahlungsfeldes
als Teil des menschlichen Organismus in Betracht zu ziehen beginnt (Biophotonen-Theorie), so ist gewiss auch die
Anerkennung eines elektromagnetischen Strahlungsbereichs, der den physischen Körper der Erde umhüllt,
zu begrüssen.
Wenn wir jedoch die Erde konsequent als lebendiges Wesen betrachten wollen, so bedeutet das auch, dass wir es wie
beim Menschen nicht nur mit einem physischen Körper, sondern auch mit Seele und Geist zu tun haben. Können
wir aber Seele und Geist mit einem elektromagnetischen Feld gleichsetzen ?
Stellen wir nicht, wie es die Radiästhesie noch weitgehend tut, auf die klassische Newtonsche Physik, sondern
auf die neuesten Entwicklungen dieser Wissenschaft ab, so finden wir, dass man aller Materie heute einen Geist-Anteil,
eine gewisse Seelenhaftigkeit zugesteht. Man wird sich bewusst, dass alle physikalischen Entitäten und Konzepte,
seien es Teilchen oder Felder, Elektrizität, Gravitation oder was auch immer, durch Reduktionen zustandegekommen
sind. Die Physik geht nicht mit der Wirklichkeit selbst um, sondern reduziert sie zunächst auf jene Aspekte,
die mess- und manipulierbar sind. Dazu müssen diese Teilaspekte von der eigentlich untrennbaren Ganzheit der
Wirklichkeit abgetrennt werden, denn nur Getrenntes ist messbar.
Dieser künstlichen Trennung der Wirklichkeit in Beobachter und Objekt wird man sich heute zunehmend bewusst,
und versucht, den Beobachter in das Beobachtete wieder einzubeziehen. Damit hält auch das menschliche Bewusstsein
Einzug als Faktor in die physikalischen Gleichung: Der Zustand der beobachteten "Welt" ist nicht unabhängig
vom Zustand des Beobachters, inbesondere von seinem Bewusstseinszustand. Man spricht heute von "State-Specific
Sciences" , d.h. dass jeder Bewusstseinszustand wieder eine andere Art von Wissen-schaft erzeugen muss.
DAS RÄTSEL DER GITTERNETZE
An den Gitternetzen haben mich schon immer eine Reihe von Dingen irritiert. Warum finden Radiästheten nur
im deutschen Sprachgebiet Gitternetze, im angelsächsischen Bereiche z.B. aber ganz andere Strukturen, die
man hier nicht findet, und umgekehrt ? Verdächtig schien mir auch, dass gerade hier, wo ein gewisser Hang
zum ordentlichrechtwinkligen Denken nicht zu leugnen ist, diese Symbolstruktur gefunden werden sollte.
Vor allem aber sagt mir meine eigene Erfahrung, dass diejenigen nicht recht haben können, die Erdenergien
für etwas halten, was eine rein objektive, vom Menschen unabhängige Existenz hat und in die gleiche Kategorie
gehört wie messbare elektromagnetische Felder. Wie soll man denn erklären können, dass immer wieder
erfolgreich von einer Gruppe von Menschen nur vorgestellte Reizstreifen gemutet werden ?
Obwohl sicher - und wer hätte etwas dagegen ? - physikalische Faktoren an Reizstreifen gemessen werden können,
glaube ich nicht, dass damit das Wesen der Erdenergien erfasst ist. Aus einem verständlichen Bedürfnis
nach Anerkennung hat die Radiästhesie sich in ihrem Denken zu sehr an die Physik angelehnt und ihren Ursprung
im esoterischen Wissen verleugnet. Wie so viele Wissenschaften, für die die Physik als Leitwissenschaft gilt,
orientiert sie sich jedoch an einem überholten Stand physikalischer Konzepte, und es ist Zeit, die Veränderungen
in der Physik jetzt mitzuvollziehen. Nichts, aber auch gar nichts darf heute mehr als "objektive", "da
draussen" unabhängig vom Beobachter existierende Wirklichkeit angesehen werden. Wie alle Objekte der
Wahrnehmung, so können auch Erdenergien nur als Wechselwirkung zwischen dem wahrnehmenden Menschen und der
Realität verstanden werden.
Wahrnehmung ist nach meinem Dafürhalten ein Auswahlprozess, bei dem die Bewusstseinslage des Wahrnehmenden
resonanzhaft bestimmt, welche Strukturen aus der Totalität der Möglichkeiten ausgewählt werden und
ins Wahrnehmungsfeld (Bewusstheit) rücken. Gewiss existieren dreidimensionale Gitternetz-Strukturen in unserer
Umwelt in Form von stehenden Wellen, doch warum springt die deutsche Radiästhetenseele gerade auf sie an,
und nicht auf eine der vielen anderen ebenfalls vorhandenen Strukturen ?
Die amerikanische Architektin Mimi Lobell hat sieben archetypische Raumstrukturen eruiert, die - über kulturelle
Grenzen hinaus - die Weltkulturen in verschiedenen Epochen geprägt haben, nämlich "das Sensitive
Chaos", "das Grosse Runde", "die Vier Quadranten", "die Pyramide", "das
Strahlende Zentrum" und "das Gitternetz" . Jedes dieser Muster, die sich am deutlichsten in der
Architektur, aber auch in allen anderen Manifestationen der betreffenden Kulturen wie den Gesellschafts- und Wirtschaftsformen,
der psychischen Struktur der Menschen und der Raumgliederung äussern, stellt eine bestimmte Weltanschauung,
ein Lebensgefühl, eine Denkweise dar. Der Archetyp des rechtwinkligen Gitternetzes steht nach Lobell für
das technokratische Weltmodell nicht nur der heutigen industrialisierten Kultur, sondern auch der römischen,
aztekischen und Inkareiche. Er stellt die Endphase im Zyklus der 6 Archetypen, die Zerfalls- und Todesphase der
Kultur dar, die durch extreme Zersplitterung, Normierung, Mechanisierung und Kommerzialisierung gekennzeichnet
sei. Raum und Materie werden als homogenes, dreidimensionales Gitter voneinander isolierter, gleicher und messbarer
Einheiten aufgefasst, das kein Zentrum besitzt; entsprechend sind psychologische Zustände wie Gefühle
der Anonymität, Sinnlosigkeit, existentielle Not und Entfremdung, Verlust des Kontaktes mit dem inneren spirituellen
Selbst weitverbreitet.
Die Gitterstruktur drückt also ziemlich genau die existentielle Situation des heutigen Menschen aus. Der Philosoph
Jean Gebser spricht von "gitterigen Zwangsvorstellungen, unserem kompliziertes Käfigdenken, unserer Käfigsicherheit"
und weist darauf hin, dass dieser Zustand eine Konsequenz der mentalen Bewusstseinstruktur sei, die in seinem Modell
der Bewusstseinsentwicklung der Menschheit auf die archaische, magische und mythische Struktur folgt - "eine
Entwicklung, die von isolierender Perspektivierung zu Sektorierungen des Raums und damit zu einem Teilbar- und
Messbar-machen der Erscheinungen führt" .
Die Auswahl der Gitternetzstruktur durch die Wahrnehmung des Radiästheten könnte also Ausdruck der psychischen
Struktur des modernen Menschen sein; es könnte sich aber überdies in ihr ein kulturell bedingter Mentalitätsunterschied
ausdrücken: vielleicht ist die moderne "gitterige" psychische Struktur im deutschen Sprachgebiet
dominierender als bei den Angelsachsen ?
Berichte aus Veränderten Bewusstseinszuständen zeigen ausserdem, dass wir es bei den Gitternetzen möglicherweise
mit einer Erscheinung zu tun haben, die an einer ganz bestimmten Bewusstseinsschwelle auftritt. Guido Huber berichtet
in seinem für unser Thema sehr bedeutungsvollen Büchlein "Akaça - der mystische Raum"
von einem Arzt, der in einem vertieften meditativen Zustand an die Schwelle zu einem "anderen Raum" kaum
. Solange er an seinem gewohnten psychologisch-materialistischen Bezugssystem festhielt, erlebte er sich selbst
als ein Gitterwerk, aus dem er nicht herauskommen konnte. Als er jedoch endlich loslassen konnte, kam er in "den
befreiten, lebendigen, sinnvoll gewordenen Raum. Er war grundverschieden von unserem Raum. Er hatte andere Dimensionen,
alles war in allem enthalten. Ich war in diesem Raum, aber gleichzeitig war ich der Raum selbst. Das Weltall war
in den Raum enthalten, ich war im All und es in mir. Es gab dort keine Gegenstände".
Was bei dieser Erfahrung vor der Schwelle als starres, trennendes Käfig-Gitter erlebt wird, verwandelt sich
hinter der Schwelle in ein lebendiges Netz von inneren Zusammenhängen, die alles mit allem verbinden. Um welche
Schwelle es sich hier handelt, wird vollends deutlich, wenn wir die kabbalistische Tradition heranziehen. Das Symbol
des Kubus, das klar auf ein dreidimensionales, rechtwinkliges Raumgitter hinweist, wird dort nämlich "Tipheret",
einem der 10 Sephirot des kabbalistischen Lebensbaumes zugeordnet. Tipheret ist die wichtigste Stufe der kabbalistischen
Einweihung, und steht für den "Tod des Ego", das Transzendieren von Individualität und von
Vereinzelung und Isolation, die damit einhergehen, für die Realisierung des Wesens-selbst.
Nun können wir verstehen, wie es zur Wahrnehmung von Gitterstrukturen kommt. Bedenken wir einmal die Situation
des Pendlers oder Radiästheten. Wenn er zur "Mutung" schreitet, macht er ja einen Versuch, sich
auf verborgene Dimensionen der Wirklichkeit einzustimmen. Er macht einen Schritt aus der gewohnten Welt heraus,
die etwas ist, "woran man sich halten kann" - also einen Schritt aus der "Käfigsicherheit"
heraus in unsicheres, unbekanntes Gebiet. Wie wir alle, so gehören wohl auch die meisten Radiästheten
nicht zu jenen Menschen, denen eine Aufgabe des gewöhnlichen Alltagsbewusstseinszustandes und seines gewohnten
Ichs leicht fällt, wie es für das Erleben jenes "veränderten Raumes" nötig ist. So
befindet sich der durchschnittliche Radiästhet in einer Zwickmühle: Er sucht mit genau jener "anderen
Wirklichkeit" in Kontakt zu kommen, auf die er sich er sich gar nicht wirklich einlassen will, da er die Rückwirkung,
die dies auf ihn selbst hätte, nicht in Kauf nehmen will. So geht er wie ein messender Physiker an die Sache
heran-, der sich selbst als fühlenden Menschen mit Körpergefühl, unterschwelligen Wahrnehmungen,
Ahnungen und Intuitionen aus dem Wahrnehmungsprozess ausschliesst und zum vornherein Erklärungsmodelle und
Vorstellungen an die Sache heranträgt, die keinen Platz für diese andere Wirklichkeit las-sen. Das Gitte-rerleb-nis
scheint mir für diese Situation symptoma-tisch zu sein, indem es vor der Öffnung des "lebendigen
Raumes" schüt-zt, diesen "-draussen" hält, dadurch aber gleichzei-tig zu einem Käfig
wird.
Diese Situation ergibt sich inbesondere für alle jene, die von einer objektiven Existenz der Erdenergien "da
draussen" überzeugt sind und glauben, dass der eigene Zu-stand nichts mit ihrer Wahr-nehmung zu tun hat
und keinerlei Einfluss auf sie ausübt. Mit anderen Worten, besonders für jene, für die Erdenergi-en
konven-tionelle elektromagnetische Energien und Wün-schelruten technische Antennen sind.
DAS GEHEIMNIS DES LEBENDIGEN RAUMS
Um der seelischen und geistigen Dimension von Erde und Landschaft näher zu kommen, müssen wir uns weiter
mit der Ebene beschäf-tigen, auf der Subjektivität und Objektivität ineinander überge-hen,
um schliesslich vielleicht eine Ebene der Energie zu fin-den, die glei-chzeitig physikalische und psychische Energie
ist.
Wir wissen heute, dass die Sinnesorgane selbst gar keine Objekte, sondern nur Schwingungen wahrnehmen. Erst das
Gehirn konstruiert aus diesen ständig sich verändernden Schwingungszu-ständen, durch den Vergleich
mit Erinnerungen, stabile Gegenstän-de, die wir wahrzunehmen glauben.
Wir leben somit in zwei ver-schiede-nen Welten, wie der Physiker David Bohm meint . Da uns der erwähn-te Vorgang
nicht bewusst ist, leben wir im Alltagsbewusst-seinszu-stand in einer "Welt der Objek-te", wie sie uns
auch von den physikalischen Instrumenten präsen-tiert wird. Auch sie sind ja vom Stand-punkt des Alltagsbe-wusst-seins
aus konstruiert und werden von dort aus interpre-tiert. Bohm nennt diese Dimen-sion die "explizite Ordnung",
weil in ihr alles in entfaltetem (lat. explicare), manifestem (das heisst nichts anderes als handfest, greifbar)
Zustand vor-handen ist. Hier ist "alles ausserhalb alles anderen"; diese Welt "setzt sich aus Einheiten
zusammen, die unabhängig voneinander in verschiede-nen Bereichen des Raums und der Zeit existieren und durch
Kräfte miteinander wechselwirken, die ihr eigentliches Wesen unberührt lassen" (Bohm). Hier erleben
wir alles als gegen-ständlich, d.h. uns entgegenstehend. Es herrscht eine Trennung zwischen Ich und Welt,
Subjekt und Objekt, Innen und Aussen. Der Raum ist nur ein leerer Behälter oder eine Bühne für die
Objekte, die nicht nur voneinander, sondern auch von ihm getrennt existie-ren. Nur über diese objektive Dimension
macht die Naturw-issenschaft Aussa-gen (und kann sie Aussagen machen), denn nur Abgegrenztes lässt sich messen.
Auch wenn man sie nicht messend erfassen kann, so gibt es doch neben dieser Welt der sekundären Wahrnehmung
nach Bohm noch eine andere Dimension, die wir in veränderten Bewusst-seins-zustän-den wahrnehmen können,
wenn wir zur "primären Wahrnehmung" der reinen Schwingungen vordringen. Bohm nennt sie die "implizite
Ordnung", denn in ihr ist alles in "eingefalte-tem", implizitem Zustand vorhanden, wie in einem
Hologramm, weshalb Bohm auch von der "holographischen Dimension" spricht. Im Gegensatz zu einer ge-wöhnlichen
Photographie enthält nämlich jeder Punkt einer holo-graphischen Aufnah-me die gesamte Information über
das aufgenomme-ne Bild, ist in jedem Teil also das Ganze enthalten.
Wie auf einer holographischen Platte nehmen wir in der impli-ziten Dimen-sion keine Objekte, sondern nur Schwingungszustände
wahr (beim Hologramm entsteht das Bild der aufgenommenen Objekte erst wie-der, wenn dasselbe Laserlicht wie bei
der Aufnahme hin-durchge-schickt wird). Was in der expliziten Ordnung "Gegen-Stand" ist, wird hier als
"Zu-Stand" erlebt, weil hier die Trennung zwischen Ich und Welt aufgehoben ist, der Beobachter vollkommen
Teil des Beobachteten ist. Hier gibt es keinen Standpunkt, keine Perspektive mehr - mit anderen Worten: die gewohnte
Art der Raumhaftigkeit ist aufgeho-ben. Alles ist hier mit allem verbun-den, weil alles in allem anderen enthalten
ist. Wenn wir zur expliziten Ordnung sagten, dass sich in ihr "alles ausserhalb alles anderen" befinde,
so müssen wir hier die - ohne die ent-sprechende eigene Erfahrung - rätselhafte Aussage machen, dass
in der impliziten Ordnung "alles innerhalb alles anderen" existiert. Es gibt kein gegensätzliches,
getrenntes Innen und Aussen mehr, nur noch ein einziges Innen. Der Raum ist hier nicht mehr bedeu-tungsloser Behälter
oder Bühne für die Objekte, sondern es gibt nur noch diesen Raum, der aber kein leerer und toter Raum
(Vaku-um), son-dern im Gegenteil ein lebendiges "All", ein "Plenum" ist, das alles in unmani-festierter
Form in sich birgt.
Nach Bohm ist nämlich die implizite Ordnung nicht einfach eine Dimen-sion neben der expliziten, sondern eine
primäre, höhere Dimensi-on, die die explizite Ordnung - also alle Objekte - in sich ent-hält. Sie
ist der Ursprung, die hervorbringende Matrix aller materiellen Erscheinungen; Teilchen und Wellen, Materie und
Energie gehen aus ihr hervor und werden auch wieder in sie hin-ein absorbiert, wie die Wellen auf einem Ozean.
Sowohl Materie wie Bewusstsein haben, wie Bohm betont, Teil an beiden Ordnungen. So wie "jeder Moment des
Bewusstseins einen gewissen expliziten Inhalt hat, der ein Vordergrund ist, und einen impliziten Inhalt, der ein
dazugehöriger Hintergrund ist" (Bohm), so hat auch jedes mess- oder beobachtbare Materieteilchen und
jede Welle als expliziter Teil einer Ganzheit ihren Hinter-grund oder ihre Wurzel in der impliziten Ordnung. Die
implizite Ordnung muss als gemeinsame Grundlage sowohl von Materie (=das Beobachtete) wie auch von Bewusstsein
(=der Beobachter) betrach-tet werden. Wir dürfen sie deshalb in Bezug setzen zu C.G.Jungs "Unus Mundus",
wobei für Jung das Vorhandensein dieser gemeinsa-men Wurzel von Materie und Seele auch die immer wieder festge-stellte
Entsprechung der seelischen und geistigen Grundstrukturen mit denjenigen der materiellen Welt erklärt.
David Bohms implizite oder holographische Dimension ist im Grunde eine neue, vertieftere Formulierung der "Nullpunkt-Ener-gie"
oder "Vakuum-Energie" (Energie des "leeren Raums") der Physik und damit des ural-ten esoterischen
Konzeptes einer univer-sellen "Äther-Energie", die bereits für die alten Inder mit dem "lebendigen
Raum" iden-tisch war (Aka-scha). Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung wurde der Äther nicht etwa
durch die Michelson-Morley-Experimente von 1881-89 und die Spezielle Rela-tivitätstheorie von Einstein (1905)
widerlegt, sondern bekam als "Energie des Vaku-ums" im Laufe der letzten Jahrzehnte eine neue Form im
Rahmen von Quan-tenphysik und Relati-vitätstheorie. Obwohl nur wenige das wissen, ist seine Existenz in der
Physik aner-kannt.
Eine Reihe von physikalischen Theorien (so von John Wheeler, Thomas Bear-den, Burkhard Heim) versuchen Genaueres
über diesen modernen "Quan-tenä-ther" auszusagen; trotz bestätigender Experi-mente ist
das Gebiet leider bis heute ein Kuriosum geblieben. Einig sind sich diese unterschiedlichen Ansätze darüber,
dass eine enge Beziehung zwi-schen Vakuu-mener-gie und der inneren Geome-trie des Raumes besteht; wellenar-tige
Veränderungen dieser Geome-trie bewirken Verdichtungen und Verdün-nungen der Energiedichte des Vakuums
und umgekehrt. Dies sind aber nichts anderes als Gravitationswellen. Man vermutet selbst von Physikerseite, das
menschliche Bewusstsein könnte diese Geometrie beeinflussen und auf diese Weise direkten Einfluss auf die
grundlegendsten Vorgän-ge von Materie und Energie nehmen.
WIE WIR DEN ZUSTAND DES RAUMS VERÄNDERN KÖNNEN
Wenn wir in der Begegnung mit dem Raum, mit den unsichtbaren Dimensionen der Landschaft, bereit sind, festgefahrene
Konzeptio-nen über die Realität und über uns selbst loszulassen, öffnet sich für uns eine
fundamentalere Ebene der Wirklichkeit, von der Materie, elektromagnetische Felder und physikalische Energien nur
Sekundärerscheinungen, reduzierte Teilaspekte, "Symptome" sozu-sagen sind. Was uns hinter dem "Schleier"
der Gitternetze begeg-net, kann man als eine den ganzen Raum erfüllende, alles durch-dringende, überall
- in verschiedener Dichte - vorhandene Energie ansprechen - so lautet eine viel verwendete Definition des (al-ten)
Ätherkonzeptes. Auf jeden Fall erleben wir es als solche. Diese Energie ist jedoch von grundsätzlich
anderer Natur als die bekannten physikalischen Energien; im strengen physikalischen Sinne ist es nicht einmal eine
Energie, da es (direkt) keine Arbeit zu leisten vermag. Im Grunde "füllt" oder "durchdringt"
der Äther Raum und Objekte auch nicht, ist er doch eher mit dem Raum selbst iden-tisch. Dieser Raum wiederum
hat die merkwürdige Eigen-schaft, dass er gleichzeitig äusserer und innerer, seeli-scher Raum ist. Es
handelt sich auch nicht um eine "objektive", direkt messbare Energie, sondern um etwas, was gleichzeitig
psychische Ener-gie ist und doch auch materiellen Charakter und Auswirkungen besitzt. Bei der Beschreibung dieser
unalltäglichen Erfahrung balancieren wir auf einem schmalen Seil, wo wir trotz einer Balance-Stange aus modernen
physi-kalischen Theorien und traditionellen Konzepten auf be-trächtliche Ausdrucksschwie-rigkei-ten stossen.
Vielleicht gibt nur eigenes Erfahrung diesen Be-schrei-bungsversuchen einen deutlichen Sinn.
Wie stellen wir es aber an, anstelle des gewohnten diesen "lebendigen Raum" zu erleben ? Der Schlüssel
dazu liegt in den verschiedenen möglichen Zuständen unserer eigenen Leiblichkeit. Was ich oben sagte
über den Gegensatz zwischen Gegenständlichkeit und Zuständlichkeit, das gilt auch für uns selbst.
Im alltägli-chen Bewusstseinszustand erleben wir unseren Körper als Objekt (im Extremfall gar als toten
Gegenstand), das wir "haben", scharf abgetrennt von anderen Objekten, die neben uns im leeren Raum enthalten
sind. Um ein Konzept aus der Quantenphysik zu verwen-den, nehmen wir hier dominierend den "Teilchen-Aspekt"
unseres Körpers wahr. Durch Schulung von Körpergefühl und Sensitivität, Atemübungen, eine
bestimmte Art und Weise von verlangsamten, sehr bewussten Dehnungen und Bewegungen und durch eine stufenweise Ausweitung
der Synchronisati-on im Organismus lässt sich z.B. in der Atemtherapie eine Verlangsamung und Synchronisation
der Gehirnwellen, eine Ablösung der Dominanz der linken Gehirnhälfte durch eine flexible Zusammenarbeit
beider Hemisphären, sowie eine ver-stärkte Kohärenz des Biophotonenfeldes erzielen, was den Wellen-
oder Schwingung-saspekt des Körpers zur Geltung bringt. Dadurch entsteht ein Zustand, in dem sowohl der eigene
Körper wie auch die Umwelt ihre Schwere, Dunkel-heit und Undurchdring-lichkeit zu verlieren scheinen, ihre
Abgrenzungen durchlässig werden bis zum völligen Verschwinden und das eigene Innere, zum Schwingen gebracht,
in eine Resonanz zum Inneren von Umwelt und Landschaft kommt. Der eigene innere Raum, jetzt als Gesamtzustand von
Körper und Seele erlebt, öffnet sich so sehr für den lebendig gewordenen Raum der Umwelt, dass beide
zu einem einzigen Raum verschmelzen. Trotzdem ist ein Verlust der eigenen Identität nicht zu befürchten.
Diese Fähigkeit des Menschen, seinen eigenen Zustand im ganzen Bereich zwischen extremer Kontraktion (Verkrampfung,
Verdichtung, Ver-dunkelung, Schwerehaftig-keit usw.) und extremer Expansion (Ent-spannung, Schwingungshaftigkeit,
Aufhellung, Leichtigkeit) zu manipulieren, zeigt auch die beiden Polaritäten, zwischen denen der Äther
hin- und herschwingen kann (Yin und Yang). Durch die Verdichtung und Verdünnung des Ätherfeldes, die
diesen Zustands-veränderungen zugrundeliegt, werden auch Raum und Zeit kompri-miert und expandiert (für
die Zeit bedeutet das Verlangsamung und Beschleunigung).
QUALITÄT UND STRUKTUR DES LEBENDIGEN RAUMS
Ich versuche nun, einige Andeutungen über die Qualität eines solchen lebendigen Raumes zu geben. In ihm
ist alles frisch und einmalig, wie die bis dahin niegesehene Welt in den Augen eines Neuge-borenen. Der Grad seiner
Intensität und Präsenz, seiner pulsie-renden Lebendigkeit ist kaum zu beschreiben; er erscheint wie "aufgela-den"
von vieldeutiger, unfassbarer Bedeutungshaftig-keit, die so nahe unter der Oberfläche heranzudrängen
scheint, als könnte sie jederzeit hervorbrechen. Er scheint dauernd Winke und Hinweise, Millionen in jeder
Sekunde, geben zu wollen, doch wenn man versucht, einen davon genauer ins Auge zu fassen und rational abzugrenzen,
so ist es, als wäre er nie da gewesen. In der Religionswis-senschaft spricht man deshalb vom "Numinosen"
- das lateinische Wort "nu-men" bezeichnet einen Wink der Gottheit, den die sonst starre Götterstatue
dem Gläubigen in einem Moment totalen Hingegeben-seins an die Gegenwart geben mag.
Ein weiteres Kennzeichen des lebendigen Raums ist sein Fluktu-ie-ren, seine ständigen Verwand-lungen, die
es unmöglich machen, etwas eben noch Dagewesenes zu fassen. Nichts hat hier Konturen, ist eindeutig Dies oder
Das; alles ist ständig im Begriffe, in etwas anderes überzugehen - nein: alles ist auch gleichzeitig
etwas Anderes, vieles Anderes.
Der lebendige Raum der Ätherener-gie besitzt eine starke eroti-sche Komponente, die an die "kni-sternde
Aura" zwi-schen frisch Verlieb-ten oder an die im Liebesakt entstehende Energie erinnert. Des-halb ist es
nicht abwegig, Orte der Kraft als die "erogenen Zonen der Erde" zu bezeichnen . Die erotische Aufladung
der Land-schaft kommt besonders in der chinesischen Landschafts-ma-lerei zum Ausdruck, deren philosophischer Hintergrund
die Feng-Shui-Lehre (chinesische Geomantie) ist.
Im Pulsieren des lebendigen Raumes lässt sich auch eine Struk-tur unterscheiden. Der Raum ist erfüllt
von einem dreidimensiona-len Netzwerk von Einzelpulsen verschiedener räumlicher Ausdeh-nung, Frequenz und
Intensität, die sich auch durch die Qualität ihrer Energie unterscheiden. An "Orten der Kraf-t"
sind meist grössere Pulse oder eine dichte Ansammlung kleinerer Pulse auf engem Raum zu finden. Obwohl in
der räumlichen Konstellation solcher Pulse auch eine gewisse Bedeutung liegt, ist doch das Erfühlen der
Energiequalität der einzelnen Pulse von ungleich grösserem Gewicht. (Nicht zuletzt deshalb, weil ja das
Ätherfeld ein holographisches Feld ist und damit in jedem einzelnen Puls, wie in den Akupunkturpunkten, im
Prinzip alle anderen Pulse und damit das ganze Ätherfeld der Erde präsent und zugänglich sind; dieser
Umstand erklärt, warum früher bestimmte Pulse als Kommu-nikations-system benutzt werden konnten). Es
besteht nämlich ein gewisser Gegensatz zwischen dem Raum-Aspekt und dem Struktur-Aspekt von Energie. Der eher
trockene, männliche Aspekt des Strukturellen zeigt immer Oberfläche, Äusserlichkeit, Quantität
-Raum hingegen, der lebendige, warme, weibliche Aspekt, offenbart Tiefe, Inneres, Inhalt, Gefühl, Seele, Bewusstsein,
Essenz.
Bei der Wahrnehmung und Kennzeichnung der Energiequalitäten dieser Pulse müssen wir Neuland betreten.
Durch die heute in der Radiästhesie gebräuchlichen Kennzeichnungen sind die lokalen Strukturen des Ätherfeldes
nur unzureichend beschrieben. Mit den verschiedenen Sorten von Gittern, Streifen und Polaritäten, ja selbst
mit der Angabe von Intensitäten und Wellenlängen werden vorzüglich Quantitäten beschrieben.
Nur wer es wagt, sich als fühlenden Menschen einzubeziehen, kann auf eine Erfassung tiefe-rer, qualitativer
Wesensschichten hoffen. Da wir auf diesem Gebiet kaum Erfah-rung besitzen und eine adäquate Sprache erst geschaffen
werden muss, versuchen wir uns über Erlebnisqualitäten wie (um nur ein paar willkürliche Beispiele
zu nennen) "aufhel-lend", "dumpf", "aufblühend", "öffnend", "belastet",
"verschlos-sen", "kurz vor einer Lösung zögernd", "fordernd" oder "jubelnd"
vorzutasten. Meist wird jedoch, wie bei der Charakterisierung einer Stimmung oder eines guten Weines, eine ganze
Palette von sprachlichen Annäherungen erforderlich sein.
Obwohl in jedem der Äther-Pulse alle anderen gegenwärtig sind, stellt trotzdem jeder von ihnen eine einzigartige
Individualität dar, eine besondere Kombination von Einflüssen oder Aspekten des Gesamtfeldes, in der
bestimmte Aspekte hervorgehoben sind. Genau-so wie Gaia, der Planet selbst, so besitzt auch jeder der Pulse ihres
Ätherfeldes Persönlichkeit - oder besser noch: Personhaf-tig-keit -, wenn diese auch nicht ganz von menschlicher
Art ist.
DIE WÜNSCHELKRAFT - DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND
Die lokalen Pulse des Ätherfeldes können sich dem Menschen näm-lich als lebendiges Gegenüber
zeigen, mit dem ein Dialog geführt werden kann - und auch sollte. Welch unterschiedliche Situation, ob wir
es mit einer "negativ polarisierten Kreuzung von Global-netzgitter und Curry-Gitter", oder einer "Quellenfee"
zu tun haben ! Feen, Zwerge, Kobolde, Riesen und Heinzelmännchen, Erd- und Natur-geister, Dryaden, Sylphen
und Undinen, ja selbst Götter, Dämonen und Tiererscheinungen von Mythos und Volkssage sind nichts ande-res
als die früheren Zeiten gemässe Form, in der sich die Pulse der menschlichen Wahrnehmung offenbarten.
Es sind die "Genii loci" (Ortsgeister), die freilich öfter in weiblicher als in männlicher
Form erschie-nen sind. Die Manifestation der Äther-pulse in unserem Bewusstsein erfolgt natürlich immer
in zeitbe-dingter Gestalt - zu ihren heutigen Formen gehören möglicherweise die UFOs und ihre Insassen,
deren Erscheinen zuweilen einen klaren Zusammenhang mit bestimmten Orten aufweist und sehr ähnli-che Charakteristika
aufweist wie früher die Begegnungen mit Feen und Drachen.
Der Dialog mit diesen Gestalten ist jedoch nicht ganz einfach, muss man sich doch auf eine ganz andere Ebene als
diejenige rationaler Alltagskommunikation einstellen. Das gleichzeitig ungemein Vertraute und doch ganz Fremde,
Irrationale und Kobold-hafte, eben "nicht ganz Menschliche" dieser Figuren wurde bereits teil-weise angedeutet
in unserer Charakteri-sierung des "lebendigen Raums". Sie verhalten sich wie die Ge-stalten in unseren
Träumen, die Figuren unseres Unbewussten. Welche Beziehung hat also die ätherische Dimension zur Welt
des Traumes ?
Die Traumebene ist eine tiefere, wesentlichere Ebene unseres Seins als die Ebene des alltäglichen Ich-Bewusstseins.
Wir besit-zen einen "Traumkörper", eine Dimension, in der sich - nicht nur nachts in unseren Träumen,
sondern ständig, auch am Tag - Traum-prozesse abspielen. Der Traumnkörper ist identisch mit dem Äther-körper.
Diese Traumprozesse - meist unbewusste Gedan-ken und Vorstellungen - begleiten jede unserer Handlungen und sind
der Hintergrund, in den auch jeder bewusste Gedanke und jedes Gefühl eingebettet sind. Wie der Begriff Traumkörper
be-sagt, drücken sich diese Traumprozesse in unseren Körpergefühlen, in Spannungs-zuständen
und dem allgemeinen Befinden auf der kör-perlichen Ebene aus. Wenn sich in unserem Bewusstsein ein Gedanke
zeigt oder eine Entscheidung getroffen wird, so sind dem in jedem Fall vorberei-tende Prozesse im Traumkörper
vorangegangen. In Wirklichkeit ist es sogar so, dass die eigentlichen Entscheidun-gen für alle unsere Handlungen
dort - im Äther des Traumkörpers - getroffen werden, und nicht im Wachbewusstsein, genauso wie alle physiologischen
Ungleichge-wichte, aus denen sich Krankheiten oder seelische Störungen entwickeln können, auf Entscheidungen
auf der ätheri-schen Ebene zurückgehen. Aus diesem Grunde spricht die indische Tradition auch von einem
"Kausalkörper", weil auf dieser Ebene die wahren Ursachen dessen zu suchen sind, was sich nach aussen
hin manifestiert.
Doch der Äther - der Stoff, aus dem die Träume sind - ist nicht nur im Menschen die Ebene, auf der alle
Manifestation vorbereitet wird, sondern generell in der gesamten Wirklichkeit. Der Äther in uns und der Äther
um uns herum und im gesamten Universum bilden ja ohnehin ein einziges Kontinuum und sind nicht getrennt voneinander.
Ein ständiges Wünschen und Sichvorstellen, ein dauernder Bilde- und Gestaltungsprozess geht in der gesamten
Natur vor sich: eine permanenter Schöpfungsprozess, der sich nicht nur einmalig an einem zeitlichen "Anfang"
abspielt (das biblische "Am Anfang..." ist analog der australischen Traumzeit als eine ausserhalb der
Zeit stehende Dimension zu verstehen, wo das Erstmalige, Archetypische, urbildhaft prägende Urgeschehen vor
sich geht, das für alle "späteren" ähnlichen Dinge und Ge-schehnisse als eine Art morphogenetisches
Feld funktioniert).
Dieser permanente Schöpfungsprozess ist eine Art von Traumge-schehen, in dem - nach tantrischer Tradition
z.B. - das göttliche Bewusstsein im allerinnersten Kern der Wirklichkeit (z.B. Shiva) der Träumer, der
Strukturierer der Wirklichkeit, der Autor und Regisseur ist. Die Ausführende dieser Strukturierung, die Schau-spielerin,
die alle Rollen spielt, ist der Äther - im Tantrismus als Kundalini-Shakti visualisiert. Diese ätherische
Bildekraft, die man als eine evolutionäre Energie bezeichnen kann, da sie sowohl treibende Kraft in der Entwicklung
der Einzelwesen wie auch von Menschheit, Natur und Erde ist, heisst in der Sprache der Alche-mie die "Imagination
Gottes". Sie ist die "Wünschel-kraft", von der die Wünschelrute ursprünglich einmal
ihren Namen hatte. Das hier gemeinte Wünschen muss allerdings in seiner ur-sprünglichen magischen Bedeutung
verstanden werden; es meint nicht ein blosses Verlangen, sondern zugleich ein magisches Bewirken. Der Wunsch wird
auch in altdeutschen Texten noch als "gotes kraft" bezeichnet.
DIE DREI-WELTEN LEHRE
Eine genauere Betrachtung der traditionellen Lehren über die Rolle dieser Kraft in den verschiedenen Stufen
der Manifestation führt uns zur Frage von Seele und Geist von Erde und Land-schaft zurück.
Analog zur Dreiteilung des menschlichen Organismus in Körper, Seele und Geist finden wir nämlich in den
alten esoterischen Überlieferungen für die gesamte Schöpfung sowie für die Erde eine Einteilung
in drei Dimensionen, mit der wir David Bohms Zwei-Dimensionen-Konzept ergänzen wollen. Im indischen Vedanta
stellen die "drei Welten" ("Tribhuvana") auch die drei Grade der Manife-station dar, nämlich
die informelle (vor der Form), die subtile (fein-stoffliche) und die grobstoffliche. Ihnen entsprechen in der Kabbala
Beriah (informell), Jetzirah (subtil) und Assiah (grob-stofflich-manifest), die nacheinander aus Atziluth, dem
Urzustand der Nicht-Manifestation hervorgehen.
Für uns ungewohnt ist, dass hier alles Manife-stierte als Materie betrach-tet wird, die also in drei verschiede-nen
Gradie-rungen vorkommt. Nur der unmanifestierte göttliche Ursprung, das reine Bewusst-sein, ist nicht Materie,
alles andere unterscheidet sich nur durch verschiedene Grade der Manifestation oder Materie-haftig-keit. Das ist
ein Materiebegriff, der von unserem völlig ver-schie-den ist, zählen doch auch Gedanken, Gefühle,
Träume usw. dazu. Die Drei Welten bezeichnen denn auch nicht nur Zustände der Materie, sondern gleichzeitig
Bewusstseinszustände, die ihnen entsprechen.
Das Konzept der Drei Welten, zentral für die traditionelle Kosmologie, findet sich nicht nur bei Indern und
Hebräern, son-dern ebenso im persischen Sufismus und bei den Kelten. Die kelti-sche Version wird in der Darstellung
des irischen Dichters A.E. besonders anschaulich . Wie in vielen Kulturen der Welt reprä-sentiert auch bei
den Kelten eine Göttin die Sub-stanz der Welt, die Urmaterie und den Geist der Natur. Hier ist es Dana, die
Grosse Göttin der gäli-schen Kelten. Sie wird auch der "Man-tel des Manannan" ge-nannt, weil
sie, wie die indische Maya und die ägyp-tische Isis mit ihren Schlei-ern, das gött-liche Bewusst-sein
im inner-sten Kern der Wirk-lich-keit, oft als männli-cher Gott vorge-stellt, sowohl ent-hüllt wie auch
ver-birgt.
Dana tritt in drei Formen auf, die gleic-hzeitig Stufen der Manife-station, verschie-dene Wirklich-keitsebe-nen
und Bewusstseins-zustän-de sind. Am einen Pol steht ihre Mani-festation als "Erd-welt", wo die Materie
(Dana) jene solide und erstarrte Form angenommen hat, in der sie uns unbelebt oder tot erscheint. Diese Form der
Manife-station ist am weitesten fortgeschritten und von ihrem Ursprung im Göttlichen entfernt. Am anderen
Pol steht die erste, feinstofflichste Stufe der Schöpfung, die dem göttlichsten Ursprung am nächsten
ist: die "Weisse Welt" oder das "Weisse Land" (Gwynned), das keltische Paradies und Land der
unsterbli-chen Jugend. Das Paradies, wo ja auch nach der Bibel das erste Menschenpaar, der erste Baum mit dem ersten
Apfel usw. existie-ren, steht für die Welt der Archety-pen oder platonischen Ideen, für die Dimension,
in der die Urbil-der oder Keime, sozusa-gen die morphogene-tischen Felder, die Baupläne für alles, was
je sich manifestieren kann, existieren. Wie jede der drei Welten zeichnet sich diese durch eine eigentüm-liche
Räumlich- und Zeitlichkeit aus: im Paradies steht die Zeit noch praktisch still, und es bildet sozusagen einen
einzigen Punkt, eine Mitte, aus der heraus sich die Manifestation in Raum und Zeit entfalten wird.
Das Wesen der Dana (ein Wasserwort, verwandt mit den Flussna-men Donau und Don) zeigt sich am deutlichsten in der
mittleren Welt, die von den Kelten wegen ihrer fluktuierenden Natur die "Welt der Wasser" genannt wird.
Dies ist die Welt des Äthers im engeren Sinne, während im weiteren Sinne ja die Gesamtheit der Drei Welten
aus dem Äther, der Ursubstanz der Dana, besteht. Hier zeigt sich der Äther (in den verschiedenen Kulturen
immer als weibliche Figur auftretend, so als Prakriti, Shakti, Maya, Schechina, Isis, Sophia usw.), die "uralte
Drachenfrau, Schlan-ge, Heilige Grünende" als die Grosse Verwandlungskünstlerin, die sie ist. Die
Materie (nun in ihrem umfassenden indischen Sinn) bietet sich der menschlichen Wahrnehmung in ständig sich
wandeln-den Gestalten oder Aspekten dar. Sie flutet und fluktu-iert, pulsiert rhythmisch zwischen Erstarrung und
Lösung, Kon-traktion und Expansion, schafft neue Formen und löst andere wieder auf, und erschafft und
vernichtet (wie es uns er-scheint) dabei in einem Hin und Her zwischen Explizit und Impli-zit alles, was in unserem
Lebenstraum vor uns erscheint und wieder ver-schwindet.
Die mittlere Wasserwelt ist in diesem Prozess der Manifestati-on oder Inkarnation spezifisch jene Ebene, auf der
die Urbilder der Paradieswelt eine versuchsweise, noch nicht vollständige und endgültige Mani-festation
erfah-ren; es ist eine Art von "Probe-raum", wo die unzähligen, in potentieller Form in den Urbildern
angelegten Möglichkeiten ihrer Verwirklichung ausprobiert werden. Hier ist also auch die Ebene, auf der biologische
Mutationen entstehen. Viele dieser Möglichkeiten werden wieder verworfen und kommen viel-leicht nie zur Manifestie-rung,
einige wenige schliess-lich werden der endgültigen Konkreti-sierung in der "Erdwelt" zuge-führt.
Stufen geomantischer Arbeit
Die drei Welten, von denen die traditionelle Kosmologie spricht, finden sich auch im Aufbau der lebendigen Erde.
Neben ihrer physischen Gestalt besitzt auch unsere Landschaft deshalb noch die unsichtbare Dimension eines "lebendigen
Raumes", in der es also, wie wir nun wissen, "hinter" der weiter oben erlebnismässig beschriebenen
Ebene des Ätherraums im engeren Sinn (der "Wasser-welt" bzw. des Traumkörpers der Landschaft)
noch eine zusätzli-che, im weiteren Sinne äthe-rische Dimension gibt: die Para-dies-welt. Und schliesslich
käme dann noch, ganz im allerinner-sten Zentrum der Wirklichkeit, das Göttliche selbst.
Der eigent-liche Arbeits-bereich der Geoman-tie wird jedoch die (mittlere) Ätherebe-ne bleiben, ist sie doch
die für uns noch erreichbarste Ebene, in der sich die ätherische Natur der un-sichtbaren Land-schaft
offenbart.
Praktisch gesehen, wird es hier zwei Stufen geomantischer Sensitivität und Arbeit geben. Der Ätherraum
der Landschaft ist zunächst einmal der Traumkörper der Erde. In ihm (und nicht in der Knochenkapsel unserer
Köpfe) gehen unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen vor sich; er ist die "Noosphäre"
des Planeten (W.I.Wernadskij, Teilhard de Chardin), das kollektive Unbewusste der Menschheit (C.G.Jung). Im Äther
sind aber auch alle je ge-dachten Gedanken, gefühlten Gefühle und gehabten Vorstellungsbil-der (und genauso
die zukünftig möglichen) gespeichert, denn auftauchen und verschwinden tun sie nur im Licht unseres Ich-Bewusstseins.
In den lokalen Ätherfeldern lassen wir durch alles, was wir tun, denken und fühlen, eine Spur zurück
(genauer gesagt: wir verstär-ken dadurch resonanzartig bestimmte schon vorhandene Schwingun-gen) und laden
Orte durch bestimmte Arten der Interakti-on mit bestimmten Energien auf; andere werden von uns ver-nachläs-sigt
und auf diese Weise beeinflusst.
Besonders prägen sich Emotionen ein; das Ätherfeld kann durch starke Gefühle - genau-so wie wir
selbst - sogar einen Schock erlei-den, durch den Energie und Inhalte der Emotionen in ihm "einge-froren"
werden (Reshad Feild). Besonders Gewalttaten können eine "Einkapselung" von negativer psychischer
Energie im lokalen Ätherfeld bewirken, die für Jahre oder Jahrzehnte bestehen kann. Einige seltsame paranormale
Phäno-mene, wie gewisse Spukerschei-nungen, Hausgespenster sind vermut-lich auf diese Weise zu erklä-ren.
Aber auch Orten, die über längere Zeit von vielen Leuten immer wieder in gleicher oder ähnlicher
Gefühlstönung oder Geisteshal-tung bzw. Gedankengängen besucht werden, (z.B. Wallfahrtsorte, Kneipen)
prägen sich diese Stimmungen ein. Die besondere Athmo-sphäre von gewissen Kapellen und Kirchen geht vielleicht
ebenso sehr auf die Andacht der Gläubigen wie auf andere Gründe zurück.
Ein solche "Imprägnierung", z.B. von einer Gewalttat, kann an einem Ort so stark sein, dass Passanten
blitzartig, wie aus heiterem Himmel, vom entsprechenden Gefühl (z.B. Todesangst, Panik, Mordlust) überkommen
werden, ohne dass sie den Grund dafür kennen. Das kann bei labilen Naturen sogar dazu führen, dass sie
sich ihrerseits dadurch zu einer entsprechenden Handlung verlei-ten lassen. Solche Orte müssten durch Geomantie
"erlöst", d.h. von dieser Imprägnierung befreit werden, wie man das früher in vielen Gegenden,
z.B. mit der Errichtung von Bildstöcken an Orten von Unglücksfäl-len, getan hat.
Auch die positive Prägung von Orten ist mit einer breiten Palette von Mitteln machbar: von guten Gedanken
beim Vorbeigehen oder Verweilen, bis zu kleineren (Blumenhinlegen, farbige Bänder aufhängen, kleine Verbeu-gung,
inneres Grüssen des Orts) oder grösseren rituellen Hand-lungen und Festen, wobei es allerdings mehr auf
Motivie-rung und begleitende Gedanken an-kommt als auf Äusserlichkeiten. Ein besonders wirksames Mittel kann
das indi-sche Feuer-Ritual sein.
Auch die Wechselwirkung mit (von Natur aus am Ort vorhandener oder vom Menschen hingebrachter) Materie kann das
Ätherfeld ver-stärken, abschwächen oder in seiner Färbung modifizieren. Im Bereich von bestimmten
Gesteinsarten kann z.B. die Speicherfähig-keit des Ätherfeldes für Imprägnierungen stark intensiviert
sein. Ebenso gibt es bestimmte Formen, Masse und Proportionen, Farben, Klänge, Düfte usw., die die Ätherwirkung
beeinflussen können. Diese Effekte wurden früher beim Bauen an heiligen Orten, in Ritualen und zum Heilen
bewusst eingesetzt.
Neben dieser gibt es jedoch noch eine tiefere Ebene der Äther-dimension, in der auch schon die archetypische
Dimension zum Aus-druck kommt. Hier intensiviert sich die Begegnung des Geoman-ten mit sich selbst im Spiegel des
lebendigen Raumes noch eine Stufe weiter; seine Aufgabe hier gleicht der des Gralsritters. Auf seinen vielen Reisen
durch die Landschaft hat er schon einige Orte besucht und hat versucht, durch grosse Offenheit und Geduld in Kontakt
mit den Pulsen dieser Orte zu kommen. Er hat nun allmählich gelernt, wie er sich ihnen nähern muss, damit
sie ihm ihre Qualitäten zu öffnen beginnen. Er hat begonnen, diese Quali-täten sanft und ohne Ungeduld
zu erkunden. Nun ist er an dem Punkt angelangt, wo sie beginnen, zu ihm zu "sprechen", zu einem personhaften
Gegenüber zu werden. Doch nun lernt er den Laby-rinthcharakter des Ätherischen kennen. Denn nun begegnen
ihm in den Pulsen der Landschaft seine eigenen, noch unbekannten oder nicht angenommenen Teilpersönlichkeiten.
Die extreme Faszination oder Abstossung, die die Begegnung mit den eigenen psychischen Komplexen bewirkt, hat C.G.Jung
eindrücklich beschrieben. Starke Emotionen positi-ver und negativer Art bewegen ihn und verzerren seine Wahrneh-mung.
Sie drohen ihn immer wieder zu überwältigen. Diese Emotionen lassen ihn eine labyrinthische Irrfahrt
erle-ben. Er hat Kämpfe mit den koboldhaften Erscheinun-gen zu beste-hen, gerät in grosse Gefahren und
wird wieder geret-tet, findet, ver-liert und sucht geliebte Personen und erlebt man-cherlei Aben-teuer auf seiner
"Queste". Seine "sprechenden" Part-ner dabei sind sowohl menschliche wie auch pflanzliche und
tieri-sche Figuren, können aber geradesogut einmal auch Gegenstände oder die Land-schaft selbst sein,
die sonst immer wieder hinter die übermächtig werdenden Gestalten der Pulse zurücktreten muss. Mit
anderen Worten: die alte Äther-Drachenfrau spielt ihr ganzes Arsenal an Verwandlungskünsten, Bildern
und Gaukeleien aus. In der zersplit-terten Vielfäl-tigkeit der von ihr dargebotenen Gestalten und Geschehnisse,
nicht zu vergessen die damit verbundenen Gefühlszu-stände, erkennt und verliert der Geomant sich immer
wieder, bis er all-mäh-lich seine eigene Mitte zu finden beginnt.
Alle die Gestalten, die ihm dabei begeg-nen, so unzusammenhän-gend sie ihm auch er-scheinen mögen, sind
Boten von dieser Mitte, aus der Paradieses-welt der Archetypen. Je erkennbarer und zusam-men-hängender für
ihn ihre Botschaften werden, umso klarer wird ihm dies. Die Finster-nis beginnt sich zu erhellen, im Labyrinth
zeichnet sich ein Weg ab. Schliesslich fügt sich das Puzzle zu einem Ganzen.
Er ist in der Mitte angekommen, wenn er den Traum-charakter der Wirklichkeit erkennt und realisiert, dass er selbst
der Träumende ist, der für das Geschehen verantwortlich ist. Er selbst ist verantwortlich dafür,
dass durch seine Angst und sein Fasziniert-sein das, was ihm in den Pulsen begegnet ist, zu einem Spiegel ebendieser
Gefühle wurde; er selbst hat sich durch Flucht und Suchen, Abwehr und Sehnsucht in Bezug auf die ihm unbekannten
oder abgelehnten Aspekte der eigenen Persönlichkeit ein Wechsel-spiel von Gefühlen und eine labyrinthische
Irrfahrt erträumt. Nun ist diese Verzer-rung weggefallen, er ist jetzt in der Lage, in den Pulsen des Ätherfeldes
und in der Landschaft als Ganzem der Dimension des Paradieses zu begegnen.
Durch diese Beschreibung wird klar, dass der Bereich der Wasserwelt sich zum Paradiesbereich exakt wie der gewöhnliche
Traum zum "Luziden Traum" (Klartraum) verhält . Im normalen Traum identifizieren wir uns ohne Bewusstheit
mit dem Geschehen, und sind, wie der Buddhismus sagt, an die illusionäre Welt der Ersch-einungen verhaftet.
Auf diese Weise ist unsere Persönlich-keit zersplittert, ohne Einheit. Wir sind hilflose, passive Opfer des
Geschehens, die sich von Teilpersönlichkeiten und äusseren Ein-flüssen tyrannisieren lassen, ohne
Verantwortung für die verleu-gneten Konflikte und unreifen Seiten unserer Persönlich-keit, für unser
Unbewusstes zu übernehmen. Während damit im normalen Traum-zustand unser Ich sozusagen infantil bleibt,
weil es die Verant-wortung bestenfalls für das wache Ich übernimmt, ist der Klar-traum eine reifere Stufe,
in der das Ich auch die Verant-wortung für die Regulation auf der kausalen Ebene, die ständige Neu-Integra-tion
der Persön-lichkeit und des Organismus durch Einbezie-hung auch der unbewus-sten und problema-tischen Persönlich-keitsan-teile
anerkennt.
So wie Traumarbeit erst durch Einbeziehung des Klartraums ihre ganze Wirkungskraft erhält, so ist auch der
Umgang mit den un-sichtbaren ätherischen Dimensionen der Landschaft erst vollstän-dig durch Einbeziehung
des Paradiesbereiches. Bei der beschriebe-nen ersten Stufe geomantischer Arbeit bewegten wir uns noch in einem
Grenzgebiet zwischen Erdwelt und Wasserwelt, wo wir den raum-zeitlichen Bereich der äusserlichen Erscheinungswelt
noch nicht verlassen hatten, obwohl auch die Welt des Ätherischen sich bereits zu offenbaren begann. Wir taten
zwar einen Ausblick ins Esoterische, blieben aber verankert im Exoterischen, in der natürlichen Welt. Nun
verlassen wir aber ganz den Bereich der Raum-Zeit, wo äusser-liche Orientierungen noch einen Sinn machen;
wir sind im Inneren ange-kommen. Was bereits vorher zeitweise, jetzt aber vollständig geschieht, nennt man
eine "ausserkörperli-che Erfahrung". Hier gilt nun ganz, was weiter oben über die implizite
Ord-nung gesagt wurde; wir befinden uns in einer Welt mit eigener Gesetzlichkeit, die von Sohrawardi und anderen
persi-schen Theosophen und von Swedenborg beschrieben wurde. Diese Welt hat ihre eigene Geographie, ihre von innen
heraus leuchtende "himmlische Erde" mit mystischen Plätzen, Bergen, Städ-ten und Ländern.
Zwar gibt es Korrespondenzen zwi-schen bestimmten Orten der Kraft der physischen Geographie und "Orten"
dieser himmli-schen Erde, doch führt kein kontinuierli-cher, verfolgbarer Weg von hier nach dort, denn es
handelt sich um eine völlig andere Realität. Doch betont Henry Corbin mit Berufung auf die persi-schen
Theosophen, dass diese ontologisch ebenso real sei wie physische Realität, wenn auch mit Gesetzen ganz anderer
Art. Dazu gehört z.B., dass hier nicht nur Handlun-gen, sondern auch schon Absichten, Gedanken und Gefühle
Konse-quenzen haben, und dass psychische Zustandsänderungen an die Stelle räumlicher Fortbewe-gung treten.
Wahrnehmungsorgan für diese Realität sei die Vor-stellungskraft, die als Spiegel für sie funktioniere.
Diese "Imaginatio vera" dürfe nicht mit Fantasie oder Einbildung ver-wechselt werden, sondern sei
eine echte kogni-tive Fähigkeit .
Real sind jedenfalls die Auswirkungen alles hier Erleb-ten und Geschehenen auf die physische Ebene der Wach-reali-tät.
In dieser Welt begegnet der Mensch z.B. engelglei-chen und gottähnli-chen Wesen, "inneren spirituellen
Führern und Gurus", die ihn lehren, beraten und einweihen, aber auch warnen und heilen können, hier
wird er vor existenzielle Entscheidungen gestellt, die seine tiefste innerste Wahrheit fordern. Diese Entscheidungen
und initiatorischen Erleb-nisse stellen zumeist Impulse von nachhalti-ger Wirkung für den Alltag dar und können
das Leben eines Men-schen von Grund auf verändern.
Da es resonanzhafte Entsprechungen zwischen den 3 Welten gibt, können bestimmte Stellen des physischen Universums,
bestimmte Plätze oder Objekte als "Fenster" oder "Türen" zu den höheren Wirklichkeiten
dienen. Diese Tatsache wurde oft, z.B. von den Propheten des Alten Testaments, als "Anbetung von Steinen,
Sta-tuen, Quellen, Bäumen, Bergen usw." missverstanden. Verehrt wurde aber nicht die physische Materie
dieser Plätze oder Objekte, sondern die durch sie "durchscheinende" Entsprechung des Äther-
oder Archetypenbe-reichs.
Eine solche Resonanz entsteht dann, wenn ein Platz oder Objekt einem bestimmten Urbild (Archetyp) beson-ders nahekommt,
so dass er oder es ins uns entsprechende "Erinne-run-gen", die entsprechen-den Archetypen bzw. psychischen
Konstel-lationen wachruft. Es gibt beinahe überall Plätze und Landschaf-ten, die vage Anmutungen an etwas
erzeugen können, das nur mit viel Mühe oder gar nicht ins Bewusstsein gehoben werden kann. Einige wenige
Orte jedoch kommen ihrem Urbild so nahe, dass sie zu "starken Plätzen" wer-den, die uns beinahe
ohne unser Dazutun aus dem Alltagsbewusst-sein herausheben und mit der archetypischen Dimension in Verbin-dung
bringen. Diese Plätze sind die Heiligen Orte der Menschheit, die oft zu Kristal-lisationspunkten von Weltreligionen,
grossen Heilorten oder Geburtsplätzen von Kultu-ren geworden sind.
Nicht immer sind jedoch Orte, denen früher diese Kraft eigen war, heute noch aktiv. Die Aufgabe der Geoman-ten
jeder Zeit ist es, immer wieder von neuem die Plätze ausfin-dig zu machen, die für die geistige, seelische
und kulturelle Erneuerung der Zeit notwendig sind.
Ich glaube jedoch, dass eine reife Geomantie die Er-kenntnis in den Mittelpunkt stellen sollte, dass wir letzlich
alle selbst für die äthe-rische Umwelt verantwortlich sind, die wir vorfinden, beein-flus-sen wir sie
doch mit jedem unserer Gedanken, Gefühle, Vor-stellun-gen und Handlungen, und ist es doch auf dieser Ebene
unmöglich, Ich und Welt zu trennen und irgendeine Tatsache oder ein Ereignis - z.B. die Entstehung oder das
Verschwinden eines Ortes der Kraft - isoliert von unserer eigenen Existenz oder Aktivität in dieser Welt zu
verstehen. |